Rede zur Einführung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil (Kreistagssitzung am 15.06.2015)

Die Beschlussvorlage 0166/2015/1 empfiehlt – wenn auch mit deutlichen Bauchschmerzen – die Einrichtung der Oberstufe an der IGS Hermeskeil. Trotz der Bauchschmerzen, eine gute Empfehlung, der ich mich natürlich anschließe. Ich erinnere an meinen Antrag vom 05. März 2015 (Landrat Schartz hat in der Kreistagssitzung vom 15.06.2015 diesen Antrag vorgelesen, damit ist er im Protokoll vermerkt).

Vordergründig erschien es mir, als würden die vergangenen ideologischen Schlachten der 1970er Jahre hier noch einmal geschlagen. Das Gymnasium gilt zwar unterschwellig immer noch als Eliteschule, aber die Hermeskeiler Eltern haben der IGS den gleichen Rang zugebilligt, wie die Untersuchung der Uni Trier ausgewiesen hat. Die Hintergründe, die für die jetzige breite Diskussion um eine Einrichtung der Oberstufe sorgten, sind aber andere.

Das Problem ist der demografische Wandel, der vehement in unsere gesellschaftliche Entwicklung eingreift. Im ländlichen Raum verlieren wir Menschen, die Schülerzahlen werden weniger. Trotzdem muss es in unserer Gesellschaft eine Vielfalt an Bildung geben, denn Bildung ist unsere Zukunftsressource. Eine richtige Erkenntnis, die nicht einfach außen vor gelassen werden kann. Weniger Schüler können kleinere Klassen bedeuten – somit ein Chance für eine bessere Bildung unserer Kinder. Und eine vielfältige Schullandschaft ist auch ein positiver Standortfaktor, als zukunftsweisende Strategie gegen die schlimmsten Ausformungen des demografischen Wandels im ländlichen Raum.

Die Eltern fordern zu Recht die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS. 2009, bei der Einrichtung der IGS, sind sie und deren Kinder davon ausgegangen. Das darf nicht enttäuscht werden. Versprechen müssen gehalten werden.

Bei der letzten Sitzung des Kreisausschusses hatte ich zeitweise den Eindruck, als befänden wir uns weiterhin im Klassenkampf: Gymnasium gegen IGS, und die BBS wetzte auch die Messer. Jedoch mit der Einrichtung der Oberstufe an der IGS erhalten Schüler eine weitere Möglichkeit, an einer allgemeinbildenden Schule das Abitur zu erwerben. Hier ein Konkurrenzszenario aufzubauen schadet allen Schulformen. Aber eine Kooperation zwischen den verschiedenen Schulformen zu entwickeln, um weitere Synergien zu nutzen, halte ich für einen richtigen Weg. Aber nicht aufgrund eines Spardiktats, sondern weil es die Vielfalt der Schullandschaft unterstützt.

Vor diesem Hintergrund sollte aber die Kreispolitik auch eins zur Kenntnis nehmen: dass es diese Auseinandersetzung um die Einrichtung einer Oberstufe gegeben hat, ist nur vordergründig abnehmenden Schülerzahlen geschuldet. Hier müssen wir uns darauf einrichten, dass das der Dauerzustand wird. In Wirklichkeit steht die Angst vor dieser unseligen Schuldenbremse dahinter, die immer härter in die zukünftige Politik eingreifen wird. Angst davor, als kommunaler Schulträger nicht mehr der Verantwortung für die Schulbildung zu genügen.

Dagegen muss etwas unternommen werden. Dann würde in Zukunft eine solche Diskussion, wie jetzt bei der Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil, obsolet sein.

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