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Winterreise mit ÖPNV – Unterwegs im RVF-Gebiet

Gelandet sind wir, zwei Erwachsene, in einer der hinteren Ecken im Schwarzwald, ca. 943 Meter hoch. Alt-Glashütten hieß der Ort, vielleicht 500 Einwohner. Die ersten Erkundigungen führten uns zur Bushaltestelle. Verwunderlich für uns, die wir die hiesigen Verhältnisse im VRT-Gebiet kennen, dass auch an einem Sonntag fünfmal ein Bus fuhr, der sowohl die nächste Bahnstation bediente und danach den Feldberg zum Ziel hatte. Insgesamt eine Fahrt von gut 30 Minuten.

Das RVF-Gebiet (Regio-Verkehrsverbund Freiburg) ist halb so groß wie das VRT-Gebiet, ca. 2200 qkm. Im Gebiet wohnen etwa 630.000 Einheimische, etwa so viele wie in unserem Gebiet. Die zentrale Stadt ist Freiburg. Vom gastgebenden Hotel erhielten wir die KONUS-Karte, damit alle öffentlichen Verkehrsmittel „kostenfrei“ genutzt werden konnten: Bus, Bahn, Sessellifte etc. Natürlich kostet der öffentliche Nahverkehr. Wir berappten pro Person und Tag 2,60 Euro, insgesamt für 4 Tage 10,40 Euro. Das wurde mit der Hotel-Rechnung beglichen.

Dieses „fahrscheinlose“ ÖPNV-Angebot haben wir ausführlich genossen. Zum Beispiel sind wir zwei Stunden gewandert, dann eine Stunde mit dem Zug gefahren, den Bus zum Feldberg, den Sessellift, wieder gewandert. Mit dem RE einen Tag ins 50 km entfernte Freiburg. Die Busse und Bahnen waren so voll, dass man stehen musste.

Übertragen aufs VRT-Gebiet: es könnte hier genauso funktionieren, wenn man die Dörfer, Klein- und Mittelstädte miteinander besser vernetzen und das ÖPNV-Angebot aufstocken würde. Es sollte endlich die Angst abgelegt werden, dass der ÖPNV „zu viel“ kostet. Ein Angebot schafft die Nachfrage. Darauf baut das ganze Marketingsystem auf.

Das Beispiel Alt-Glashütten, abseits gelegen, aber zentral an den ÖPNV angebunden, zeigt, dass der ÖPNV auch im ländlichen Raum, dazu noch mit schwieriger Topografie, funktionieren kann. Die Nachfrage ist vorhanden, weil es dieses umfangreiche Angebot gibt. Eins, das überzeugt. Und es ist einfach zu bedienen. Aber im VRT-Gebiet hat man Scheuklappen. Sie abzulegen, ist offenbar schwierig.

Die KONUS-Karte entspricht der Forderung nach einem einfachen Bezahlsystem. Ein „fahrscheinloser ÖPNV“ wird zumindest vom Grundprinzip her für Touristen umgesetzt.

Und die Einheimischen? Die nutzen natürlich die vorhandenen, gut ausgebauten ÖPNV-Strukturen. Das erzeugt „Masse“. Die macht’s, denn die Masse drückt den Preis. Im Jahresabo kostet die normale Monatskarte ca. 54 Euro für das gesamte RVF-Gebiet, für jeden Verkehrsträger, für jedes Verkehrsmittel. Im VRT-Gebiet zahlt man z.B. für die Strecke Wiltingen – Trier monatlich 115 Euro, für 20 Minuten Bahnfahrt. Solch ein Tarif ist keinem Autofahrer zu erklären.

Entscheidend für den günstigen Tarif ist nicht der Tourismus, sondern die ungebremste Nachfrage der Bevölkerung nach einem guten ÖPNV-Angebot.

Es ist für mich unverständlich, warum die hiesigen Aufgabenträger keine Anleihen machen, und den Mut zeigen, mit einem kundenfreundlichen Bezahlsystem endlich eine Verkehrswende einzuleiten. Denn die jährliche Steigerung von Fahrpreisen kann keinem Kunden mehr zugemutet werden. Diese Kunden stimmen mit dem PKW über die tägliche Mobilität ab. Aber so sind die Klimaziele nicht zu erreichen.

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